11© DCTI 2010 | Studienband 3 - Bioenergie Biomasse ist in Form von Holz der älteste von der Menschheit genutzte Energieträger. Und auch heute noch deckt Biomasse, die sämt- liche Stoffe organischer Herkunft umfasst, rund zehn Prozent des globalen Primärener- giebedarfs ab. Den größten Anteil daran haben Schwellen- und Entwicklungsländer, wo die schwierige ökonomische Situation Menschen zwingt, ihren Energiebedarf zu de- cken, indem sie gesammeltes Holz oder Dung verbrennen. Diese traditionelle Form hat mit rund 90 Prozent den größten Anteil an der Bioenergienutzung [WBGU: 2008a, S. 3]. Technologische Fortschritte und politisch ge- wollte Förderprogramme führten in den letz- ten Jahren aber auch zu einem steigenden Einsatz und Ausbau der Bioenergie in einem industriellen und kommerziellen Maßstab auf globaler Ebene. Derzeit hält die moderne Bioenergie, bei- spielsweise in Form von Biogasanlagen oder Holzpelletsheizungen, einen Anteil von rund zehn Prozent an der gesamten globalen Bio- energienutzung. Während andere erneuerba- re Energien wie die Windkraft oder die Pho- tovoltaik vor einem Speicherproblem stehen, wenn der Zeitpunkt der Stromerzeugung vom Zeitpunkt des Verbrauchs abweicht, ist bei der Bioenergie die Energie - je nach verwen- deter Technologie - in einem festen, flüssigen oder gasförmigen Zustand gebunden. Der Verbrauch kann also bei Bedarf stattfin- den. Damit kommt der Bioenergie bei einem wachsenden Anteil der Erneuerbaren am Energiemix eine wichtige Rolle als Regelungs- energie zuteil. Das Potenzial der Bioenergie ist enorm: Die Agentur für Erneuerbare Energien schätzt, dass sich durch Nutzung der Hälfte der welt- weit verfügbaren degradierten Flächen für den Anbau von Energiepflanzen mehr als 40 Prozent des derzeitigen globalen Energiebe- darfs mit Energiepflanzen decken ließe. Wei- tere zehn Prozent könnten durch die energeti- sche Nutzung biogener Reststoffe abgedeckt werden [Agentur für Erneuerbare Energien: 2009a, S. 9]. Die Einsatzformen der Bioenergie sind dabei vielfältig: Zum einen findet Biomasse in Form von Bioethanol und Biodiesel als Kraftstoff Verwendung und kann somit konventionelle Kraftstoffe aus fossilen Energiequellen wie Diesel oder Benzin ersetzen. Zum anderen lässt sich Bioenergie zur Erzeugung von Strom und Wärme einsetzen. Dies gilt sowohl für die zentrale Strom-und Wärmeerzeugung wie sie in einem großtechnischen Rahmen in Biomas- seheizkraftwerken stattfindet, aber auch im Privatkundenbereich, beispielsweise in Form von Pelletsheizungen. Zu den Treibern des Wachstums bei den Bioenergien zählen weltweit festgesetzte Klimaziele, Mindestquoten und Einspeisever- gütungen für Strom aus erneuerbaren Energie- quellen, wie sie etwa das deutsche Erneuerba- re-Energien-Gesetz vorsieht. Von der Politik vorgeschriebene Beimischungsquoten für Biotreibstoffe sorgen z.B. in der Europäischen Union für eine politisch gewollte steigende Nachfrage nach Biodiesel und Bioethanol. In fortgeschrittenen Märkten wie Brasilien lässt sich der Biotreibstoff Ethanol dabei schon heute wettbewerbsfähig herstellen. KAPITELII
