21© DCTI 2010 | Studienband 3 - Bioenergie KAPITELIII Dass der Preisanstieg nicht allein auf die steigende Bioethanolproduktion zurückgeführt werden kann, wird in der Diskussion oft vernachlässigt. Dabei geht der Preisanstieg auch auf das Konto von extremen Dürren zurück, die zu einer Verknappung des Getreideangebots auf dem Welt- markt führten. Darüber hinaus bewirkt der steigende Wohlstand in den asiatischen Wachstums- regionen dort einen Anstieg des Fleisch- und Milchkonsums, was zu einem höheren Bedarf an Getreide und Ölsaaten für Futtermittel führt. Derzeit liegt der Anteil des weltweiten Getreidever- brauchs, der für die Erzeugung von Biotreibstoffen verwendet wird, unter fünf Prozent [Toepfer International: 2008, S. 5]. Lösungswege Eine mögliche Lösung der oben aufgeführten Konflikte liegt unter anderem im Einsatz von neuen Energiepflanzen, bei denen sich keine Nutzungskonkurrenz abzeichnet. Ein Beispiel dafür ist die Familie der Jatropha-Pflanzen, die ursprünglich aus der Karibik stammt und sich in vielen tropi- schen und subtropischen Regionen anpflanzen lässt. Im Gegensatz zu Ölpalmen beispielsweise stellt Jatropha nur geringe Ansprüche an den Boden und die Bewässerung, so dass die Pflanze zum Beispiel auch in der Sahelzone angepflanzt werden kann. Die Folge ist, dass für den Anbau von Jatropha auf die Rodung von Urwäldern verzichtet werden kann. Ein positiver Nebeneffekt ist, dass durch den Anbau von Jatropha in semi-ariden Regionen, die Wüstenbildung reduziert wird und Böden in Hinblick auf ihre Fruchtbarkeit aufgewertet werden. Anders als bei Ölpalmen oder Sojapflanzen ist die Frucht der Jatropha für den Menschen unge- nießbar, so dass bei dieser Pflanze auch die Frage nach der Nahrungsmittelkonkurrenz keine Rolle spielt [Lakoh, et all.: 2008, S. 2]. Dies gilt auch für die Verwendung von Algen oder Miscanthus (Riesen-Chinaschilf) als Energiepflanzen. Unproblematisch ist auch der verstärkte Einsatz von organischen Abfallstoffen für die Energiegewinnung. Dies findet bereits heute bei der Produkti- on von Holzpellets statt, für die vor allem Sägespäne als Abfallprodukt der holzverarbeitenden Industrie verwendet werden. Ein großes Potenzial birgt auch die Nutzung von biogenen Rest- und Abfallstoffen wie Deponiegasen und Klärschlamm. Auch auf Seiten der Politik zeichnet sich ein Umdenken ab und dem Schutz von sensitiven Naturräumen wird mehr Beachtung eingeräumt. So legte die brasilianische Regierung Ende 2009 dem Kongress eine Gesetzesvorlage zur Entschei- dung vor, die vorsieht, die Anpflanzung von Zuckerrohr in der Amazonasregion und dem Pantanal zukünftig nicht mehr zu erlauben [USDA: 2009, S. 4]. Gleiches gilt auch für die in Deutschland seit Anfang 2010 geltende Nachhaltigkeitsverordnung zum EEG. So muss nun bei der Stromerzeugung aus flüssiger Biomasse ein Nachweis über die nachhaltige Herkunft der Biomasse erbracht werden. Jatropha, Miscanthus und Algen: Reine Energiepflanzen als Ausweg aus der Nahrungs- mittelkonkurrenz
