36 Pflanzenöle Neben Bioethanol und Biodiesel zählen auch reine Pflanzenöle zu den Biokraftstoffen der ersten Generation, verfügen jedoch nicht über die gleiche Bedeutung. Pflanzenöl lässt sich durch Heiß- oder Kaltpressung aus Ölsaaten sowie Ölpflanzen gewinnen. Gebrauchte Pflanzenöle dienen in erster Linie zur Befeuerung von Heizkesseln in Tierkörperverwertungsanstalten, wenn die Brenn- stoffkosten hoch und die Nachfrage nach aufbereiteten Pflanzenölen niedrig sind [McGowan: 2009, S. 37]. Pflanzenöl wird als Treibstoff vor allem auf lokalen Nischenmärkten eingesetzt und nur begrenzt überregional gehandelt. Im Vergleich zu Biodiesel oder Bioethanol beispielsweise ist die Produkti- on von reinem Pflanzenöl technisch relativ einfach, so dass sich Anwendungsmöglichkeiten primär auf ländliche Regionen und Entwicklungsländer konzentrieren [Hennicke, et all.: 2007, S. 59]. Unbehandelte Pflanzenöle können in Dieselmotoren als Kraftstoff verwendet werden. Da die Pflanzenöle jedoch gegenüber konventionellem Dieselkraftstoff eine höhere Viskosität aufwei- sen, müssen herkömmliche Dieselmotoren angepasst werden [Henniges: 2007, S. 33]. Neben dem Einsatz in mobilen Antrieben, wie PKW- oder Schiffsmotoren, kann Pflanzenöl auch beim Betrieb von Stromaggregaten oder BHKWs als Brennstoff eingesetzt werden. 1.2 Biokraftstoffe der zweiten Generation Biokraftstoffe der ersten Generation gewinnen ihre Energie ausschließlich aus der Pflanzenfrucht. Diese Einschränkung und die Konkurrenz zwischen Biokraftstoff- und Nahrungsmittelproduktion führen dazu, dass das weitere Entwicklungspotenzial dieser Biokraftstoffe von Experten als be- grenzt eingestuft wird. Mit neuen Verfahren sollen jedoch die Biokraftstoffe der zweiten Genera- tion ein nachhaltiges Wachstum bei den Biokraftstoffen ermöglichen. Derzeit erforschen sowohl öffentliche Forschungsinstitute wie auch die Privatwirtschaft neue Biokraftstoffe, die zukünftig die globale Fahrzeugflotte mit Energie versorgen können. Die wichtigsten Vorteile von neuen Biokraftstoffen wie Zellulose-Ethanol oder synthetischem Biodiesel sind, dass einerseits die ganze Pflanze einer energetischen Verwendung zugeführt werden kann und andererseits pflanzliche Reststoffe Verwendung finden. Somit kann bei diesen Verfahren auf die Nutzung von potenziel- len Nahrungsmitteln wie Getreide zur Biokraftstofferzeugung verzichtet werden. Darüber hinaus lassen sich bei den neuen Verfahren definierte Kraftstoffqualitäten erzeugen. Somit lassen sich diese vermarkten, ohne dass eine Anpassung der Vertriebsinfrastruktur oder der Fahrzeugmotoren notwendig ist. Derzeit hat jedoch noch keines der neuen Verfahren die Markt- reife erreicht oder ist in Hinblick auf die Produktionskosten gegenüber den fossilen Kraftstoffen wettbewerbsfähig. Derzeit kostet es zwischen 0,80 und 1 € Biokraftstoffe der zweiten Generation in einer Menge herzustellen, die 1 l Benzin entspricht. Somit ist eine wirtschaftliche Herstellung erst ab einem Rohölpreis von 160 US$/Barrel möglich [Erdmann, et all.: 2008, S. 184]. Neue Biokraftstoffe für mehr Nachhaltigkeit
