37© DCTI 2010 | Studienband 3 - Bioenergie KAPITELV Zellulose-Ethanol Zellulose ist einer der Hauptbestandteil von pflanzlichen Zellen und eine der drei Formen, in de- nen sich in der Fotosynthese gewonnener Zucker in Pflanzen wiederfindet. In Form von pflanzli- chen Abfallstoffen lässt sich aus Zellulose in einem Vergärungsprozess Zellulose-Ethanol herstel- len, der dann als Otto-Kraftstoff dient. Im Gegensatz zur bisher weitverbreiteten Produktion von Ethanol aus Mais (USA) oder Zuckerrohr (Brasilien), lässt sich beim Zellulose-Ethanol eine mögliche Nahrungsmittelkonkurrenz vermeiden. Zudem ist die Kohlendioxidbilanz von Zellulose-Ethanol besser als bei der Herstellung von herkömmlichem Bioethanol. Für den Prozess eignen sich pflanz- liche Abfallstoffe, aber auch spezielle Energiepflanzen wie Miscanthus, die auch auf degradier- tem Land wachsen, das nicht für den Anbau von Nahrungsmitteln geeignet ist. Derzeit werden mehrere Technologien zur Herstellung von Zellulose-Ethanol entwickelt. Mögliche Methoden sind die Fermentation, die Vergasung oder die Pyrolyse [Dawson: 2009, S. 37-38]. Bei der Fermentation wird die Zellulose zunächst mittels Hydrolyse in Zucker umgewandelt. Anschließend wandeln von Mikroorganismen hergestellte Enzyme als Katalysator den Zucker in Alkohol um [Demirbas: 2010, S. 126]. Die Kosten für das Verfahren liegen laut einer Studie der Deutschen Energie-Agentur bei etwa 1€/l und damit rund 0,40€ über den Herstellungskosten von Kraftstoff aus fossilen Energie- quellen [Kotynek: 2008]. Auf privatwirtschaftlicher Seite forschten 2008 mehr als 20 Unternehmen weltweit an dem Prozess der Zellulose-Ethanol-Herstellung. Aber auch von staatlichen Stellen wird die Forschungs- und Entwicklungsarbeit an der neuen Treibstoffgeneration gefördert. So stellte das US Depart- ment of Energy 2007 mehr als 1 Mrd. US$ für Biotreibstoffprojekte auf Basis von Lignozellulose- Ethanol zur Verfügung [WBGU: 2008b, S. 51]. Neue Technologien erlauben energetische Verwendung der gesamten Pflanze
