DCTI - Bioenergie Vers.1.2

39© DCTI 2010 | Studienband 3 - Bioenergie Biomass to Liquid (BtL) Das Schlagwort Biomass to Liquid (BtL) steht für die Umwandlung von fester Biomasse in einen flüssigen Bioenergieträger. Im Gegensatz zu den bisher erprobten Verfahren lassen sich bei BtL nicht nur bestimmte Pflanzenteile wie die Ölsaat zu Treibstoff verarbeiten, sondern die Ener- giepflanze als Ganzes. Während bisher die verschiedenen Verfahren nur in Prototypen getestet wurden, errichtet Choren Industries gemeinsam mit den Kooperationspartnern Volkswagen und Daimler in Deutschland derzeit die weltweit erste kommerzielle Anlage zur BtL-Produktion. Nach Fertigstellung der Anlage soll die jährliche Produktionskapazität für BtL-Kraftstoff rund 18 Mio. l betragen, was dem Jahresbedarf von rund 15.000 PKWs entspricht. Um flüssige Kraft- stoffe aus Biomasse herzustellen, muss bei diesem Verfahren die Biomasse zunächst durch Zuführung von Sauerstoff unter Einwirkung von Druck und Wärme vergast werden. Das durch den Prozess der thermochemischen Vergasung entstandene Synthesegas besteht vor allem aus Wasserstoff, Kohlenmonoxid und Kohlendioxid. Im anschließenden Synthese-Verfahren wird das Synthesegas zu flüssigem Kraftstoff weiter verarbeitet, der sowohl die Eigenschaften von Diesel- wie auch von Ottokraftstoffen aufweisen kann. Als Syntheseverfahren kommen sowohl das Methanol-to-Synfuels-Verfahren wie auch das weiter verbreitete Fischer-Tropsch-Verfahren zum Einsatz. Die letztere Methode wurde bereits in den 20er Jahren in Deutschland entwickelt und kommt vor allem in Südafrika großtechnisch zum Einsatz, um Kohle in Kraftstoff zu wandeln. Als Einsatzstoffe für BtL-Kraftstoffe eignen sich alle Arten von fester Biomasse. Mit einem möglichen Ertrag von rund 3.000 l/ha/Jahr fällt die Flächeneffizienz bei BtL-Kraftstoffen deutlich höher aus als bei Biodiesel (rund 1.500 l/ha/ Jahr) und Bioethanol (rund 2.500 l/ha/Jahr) [Endres, et all.: 2009, S. 38]. In Deutschland wird die Entwicklung der BtL-Technologie vor allem von einem Konsortium aus Automobilindustrie und Mineralölkonzernen vorangetrieben. Der Grund dafür ist, dass sowohl Raffinerien aber auch die Motorenentwicklung von BtL-Kraftstoffen profitieren, da diese beliebig mineralischen Kraftstof- fen beigemischt werden können, ohne das eine Anpassung der Motoren nötig ist. Für die Ver- fahrensentwickler ist bei der Entwicklung von BtL-Kraftstoffen die großtechnische Realisierung der Biomassevergasung unter Berücksichtigung von Wirtschaftlichkeitskriterien sowie die vor der Kraftstoffsynthese erforderliche Gasreinigung die größte Herausforderung [Roland Berger: 2007, S. 198ff]. KAPITELV Fischer-Tropsch Verfahren: Krafstoff aus fester Biomasse

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