45© DCTI 2010 | Studienband 3 - Bioenergie 2.2 Südamerika | Brasilien Bioethanol Nach den USA ist Brasilien der zweitgrößte Produzent von Bioethanol der Welt. Dabei hat die Her- stellung und Nutzung des Treibstoffs eine lange Tradition in Brasilien. 1975 wurde das staatliche Programm ProAlcool ins Leben gerufen, um die Ethanolproduktion auf Zuckerrohrbasis zu för- dern. Ziel war es die durch die Ölkrise in den 70er Jahren deutlich gewordene Energieabhängig- keit Brasiliens zu reduzieren. Die auf 20 bis 25 Prozent festgelegten Mindestbeimischungsquoten zu herkömmlichem Treibstoff werden bereits überschritten. Aber auch der Anteil der Fahrzeug- flotte, der mit reinem Ethanol betrieben werden kann, steigt stetig. Von den zwischen Januar und Oktober 2009 in Brasilien hergestellten 2,6 Mio. Fahrzeugen, sind mehr als 2,1 Mio. mit der soge- nannten Flex-Fuel-Technologie ausgestattet, die es ermöglicht die Fahrzeuge mit einer beliebigen Mischung aus Bioethanol und herkömmlichen Benzin zu betreiben [ANFAVEA: 2009, S. 1]. Der hochproduktive Ethanolsektor in Brasilien stellt derzeit Ethanol zu Kosten her, welche die Wettbewerbsfähigkeit für den Biotreibstoff bereits bei Rohölpreisen von US$ 35/barrel sicherstel- len. 2008 stellte Brasilien 27 Mrd. l Ethanol her, davon 15 Prozent für den Export. Derzeit verfügt das Land über 400 Ethanolmühlen. Die OECD schätzt, dass der Anteil der Flex-Fuel-Fahrzeuge an der brasilianischen Fahrzeugflotte in den nächsten Jahren weiter zunehmen wird. Somit wird erwartet, dass ein steigender Anteil der Zuckerrohrernte in die Ethanolproduktion fließt. Lag dieser zwischen 2005 und 2007 noch bei durchschnittlich 51 Prozent, dürfte der Anteil bis 2017/18 auf 66 Prozent steigen. Trotzdem erwar- tet die OECD durch diese Entwicklung keine Verknappung des Zuckerangebots für den Weltmarkt, da Brasilien im gleichen Zeitraum seine Zuckerrohrproduktion um 75 Prozent ausbauen wird [OECD/FAO: 2008, S. 19-22]. Biodiesel Rund 60 Biodieselmühlen produzierten 2008 1,2 Mrd. l Biodiesel. Für Biodiesel gilt in Brasilien eine Beimischungsquote von drei Prozent in 2008, die 2011 auf fünf Prozent steigen wird. Als Rohstoffbasis kommen Sojabohnen, Palmöl und Rhizinus zum Einsatz [Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft: 2009, S. 296-298]. KAPITELV Bioethanol ist wettbewerbsfähig
